„Fürchtet Euch nicht: Vulva lebt!“

– ein Labor für Kunst und Spiritualität

August/September 2026, Dominikanerkloster Köln

Schaut man sich die Geschichte der Frauen* in der Kirche und der Kunstwelt an, dann sind plötzlich die Worte „sacred“ und „scared“ zum Verwechseln ähnlich. Mit dem Eintritt ins Patriarchat vor rund 5.000 Jahren ist das Verhältnis zur weiblichen Kraft schwer aus den Fugen geraten. Plötzlich wurde aus der Großen Göttin eine esoterisch-hysterische Hexe mit Warzennase und Besenstiel. What happened? Wer ist da wem auf den Schlips getreten? Und mit welchen Mitteln der Kunst kommen wir da wieder raus?

Um das herauszufinden, rufen die beiden Künstlerinnen Philine Velhagen und Felizitas Stilleke im Altweibersommer 2026 ein zweiwöchiges Labor ins Leben. Mit acht weiteren Laborschwestern aus der Kölner und Berliner Performance-Szene wagen sie den Spagat zwischen Kunst und Spiritualität, Glaube und Zweifel, Widerstand und Kreativität. Gemeinsam suchen sie Rituale für Transformation, Krise, Loslassen und andere Momente, mit denen sie im Kunstschaffen sowie im Leben konfrontiert sind. Denn eins ist für sie so sicher wie das Amen in der Kirche: Eine widerstandsfähige Gesellschaft braucht Rituale des Zusammenhalts jenseits konfessioneller Zugehörigkeit und Moralpredigten!

Also gehen sie auf eine queerfeministische Suche nach neuen kollektiven Praktiken. Und welcher Ort könnte für eine solche Suche geeigneter sein als die entweihte Kirche des Dominikanerklosters im Zentrum der Stadt? Das Labor lädt an vier Tagen zum Mitlaborieren ein. Interessierte, Suchende und Freund*innen können das Gefundene weiterspinnen, ausprobieren und als Test-Gemeinde fungieren.

27.08.2026, 21:00 Uhr – Open End
Treffpunkt: Dominikanerkloster (Lindenstraße 45, Köln), später am Grüngürtel
GEBT UNS DEN GANZEN MOND ZURÜCK!
Das erste Happening, zu dem die Laborschwestern einladen, hat es in sich: Inspiriert vom sogenannten „Störmond” im August wollen sie sich den öffentlichen Raum als Ort kollektiver Naturrituale zurückerobern. Vollmondzyklen wurden seit Frauengedenken zelebriert und beschworen. Meist verborgen im Wald oder andernorts in der Abgeschiedenheit. Nicht so unsere Laborschwestern: Sie wollen sich nicht verstecken, sondern feiern den vollen Mond mittendrin, im Grüngürtel, die ganze Nacht. Und sie finden Rituale und Tools, um sich und ihre Versuche zu schützen! Inklusive der partiellen Mondfinsternis in aller Herrgottsfrühe. Also: Schlafsack, Kräutermischung und Pfefferspray nicht vergessen!

31.08.2026, 19:30-21:30 Uhr
Dominikanerkloster (Lindenstraße 45, Köln)
TREIBHAUS mit GERTRAUD KLEMM
Die Wiener Autorin Gertraud Klemm hat sich seit ihrer Streitschrift „Abschied vom Phallozän“ einen Namen als feministische Freidenkerin gemacht. Nun untersucht sie, wie Glaubensgemeinschaften jenseits patriarchaler Strukturen funktionieren könnten und erfindet zusammen mit den Laborschwestern Formen, Worte und Gesten für fehlende Rituale. Gemeinsam kreieren sie eine Sprache für die Leerstelle, für das vermeintlich große Ganze, formerly known as Gott. Mit Lesung, Austausch und erstem (statt letztem) Abendmahl.

04.09.2026, 19:30-21:00 Uhr
Dominikanerkloster (Lindenstraße 45, Köln)
DIE TÖCHTER DER HEXEN
Mit diesem Labor sind die Schwestern nicht allein. Es gab und gibt viele Künstlerinnen, Heilerinnen, Kämpferinnen und Verfechterinnen von Glaube und Kunst. Nicht alle wurden gehört. Nicht alle haben überlebt. Das Labor lädt zum rituellen Gedenken, Zitieren und Bedanken ins Dominikanerkloster ein. Es waren schließlich zwei Dominikaner, die im 15. Jahrhundert den sogenannte „Hexenhammer“ geschrieben haben, das einflussreichste und fatalste Handbuch zur Rechtfertigung und Durchführung der Hexenverfolgung. Eine performative Séance für all die inspirierenden FLINTAS – in der Kunst und der Welt!

06.09.2026, 14:00-17:00 Uhr
Dominikanerkloster (Lindenstraße 45, Köln)
CELEBRATION „It’s never done!“
Zum Abschluss ihrer gemeinsamen Zeit rufen die Laborschwestern zur Ernte und teilen großzügig, was sie haben. Hejo, spann den Wagen an! Hier kommen Rituale für den Übergang, Tanz und Gesang aus dem Fluss, queerfeministische Glaubensbekenntnisse, altruistisch zyklische Kunstpraktiken, Kinder ihrer Schöpfung, Shadow Songs und Bloody Marys for free! Das Labor aka. Dominikanerkloster öffnet seine Pforten und lässt die Kunstgemeinde kosten. Amen!

Von und mit: Philine Velhagen & Felizitas Stilleke (Drama Köln) // Julia Dick & katharinajej (katze und krieg), Nadja Duesterberg & Svea Kirschmeier (TIGERS‘ KITCHEN), Justine Hauer, Cordula Körber, Maren Schlüter, Esther Struck (SEE!) und Béla Bisom, neurohr & andrä u.a.

Mit besonderem Dank an Ralph Elster und den Förderkreis des Theater der Keller.

Eine Produktion von Drama Köln e.V.
Gefördert durch: Kulturamt der Stadt Köln, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste.

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